Ostfrieslandkarten

"FRISIA ORIENTALIS",1598

Karte aus dem ersten deutschen Reiseatlas mit dem Titel " ... ITINERARY ORBIS CHRISTIANI ... Das dritte theil des reisbuchlins des christenthums ... Köln, 1580". Zwischen 1580 und 1600 gab es verschiedene Herausgeber von kleinen Atlanten, wobei die Zuordnung schwierig ist, zumal einige dieser Herausgeber mit Pseudonymen arbeiteten. Vom Karteninhalt teilweise grobe und verzerrte Darstellung. Typisch für diese Karten: Die größeren Nachbarorte, die nicht auf der Karte abgebildet sind, werden in den Randleisten angedeutet.

"FRISIA ORIENTALIS", 1595

Eine sehr dekorative Darstellung Ostfrieslands mit den beiden Trachtenfiguren! Die Küstenlinie im Westen Ostfrieslands ist korrigiert, überhaupt finden wir im westlichen Teil der Karte viele Informationen, z.B. über die Salzgewinnung auf der Insel Bant vor der Leybucht. Das erste Mal taucht eine Insel-Karte mit dem Zustand des Dollartgebietes vor der Überschwemmung durch Sturmfluten auf, sie wird in vielen späteren Karten kritiklos übernommen. Verfasser dieser Karte ist der Rektor der Lateinschule zu Norden und spätere Pastor zu Pilsum Johannes Florianus. Florianus hatte schon 1579 eine Ostfrieslandkarte für den Atlas des Ortelius entworfen, aufgrund der gravierenden Mängel fertigte er für die 1595 erschienene Auflage des „Theatrum" diese völlig neue Karte.

1598

Florianius 1595

"TYPVS Frisiae Orientalis à Dullarto sinu atq. amasi ostio ad Iada usq. fl. singulari studio ac industria concinat et ad vi vum expreßo Authore Ubbone. P.Keer. Exc.", 1617

Dies ist die Ostfrieslandkarte von Ubbo Emmius, allerdings schon der vierte Zustand, d.h., daß diese Karte zwar von der Originalkupferplatte gedruckt wurde, diese aber schon mehrfach geändert wurde. Die wichtigsten Änderun-gen gegenüber dem ursprünglichen Zustand sind folgende: Die Kartusche links ist geändert, rechts ist ein Stadtplan von Emden nach Peter Bast eingefügt, am schwerwiegendsten ist aber die Verkürzung der Kupferplatte auf der linken Seite, die man gut erahnen kann, wenn man die im Kartenrand stehende Windrose sieht. Dabei ist auch die Darstellung der Insel Borkum weggefallen. Der Grund für diese Plattenverkleinerung liegt darin, daß diese Karte in den ersten niederländischen(!) Nationalatlas aufgenommen wurde und dem Format angepaßt wurde. Diese Karte bildete gut 200 Jahre die Grundlage aller weiteren Ostfrieslandkarten, war sie doch aufgrund sorgfältiger Messungen im Gelände unter Anwendung trigonometrischer Berechnungen erstellt worden.

"TYPVS FRISIAE ORIENTALIS. Auctore Vbbone Emmio", 1635

Hier im Titel wird Emmius als Urheber der Karte ausdrücklich genannt, viel deutlicher als in den Blättern, die von seiner Kupferplatte stammen. Dies ist mit der Berühmtheit zu erklären, die Emmius als Rektor der Universität von Groningen erlangt hat. Nun wirbt man mit seinem Namen, und süddeutsche Antiquariate verkaufen diese Karte als „Emmius-Karte". In Wirklichkeit handelt es sich um einen Nachstich des damals größten Kartenverlegers Willem Jansz. Blaeu in Amsterdam, der z.B. in seinem „NOVUS ATLAS" auch eine Ostfrieslandkarte vorweisen wollte. Die Atlanten von Blaeu erschienen in vielen Auflagen in verschiedenen Sprachen und die Rückseite einer Karte kann Aufschluß geben, aus welchem Druck sie stammt.

Emmius 1617

1633

"TYPVS Frisiae Orientalis à Dullarto sinu atq. amasi ostio ad Iada usq. fl. sin gulari studio ac industria concinat et ad vivum expreßo", "Authore Ubbone", 1624

Bei diesem fünften Zustand der Emmius-Karte wurde im Titel die Herausgeberadresse getilgt und links neben dem Emden-Plan, der übrigens entsprechend der Stadterweiterung vergrößert worden ist, die neue Verlagsadresse: „C.J. Visscher excudebat 1624" eingefügt. Ansonsten kann man dieses Blatt gut mit der Emmius-Karte von 1617 vergleichen, da beide Blätter von derselben, allerdings veränderten Kupferplatte stammen.

"NOVA TABULA TOTIUS FRISIAE ORIENTALIS EMENDATA", "AUCT.C. ALLARD", 1697

Dies ist eine der letzten Ostfrieslandkarten aus niederländischer Produktion in Nachfolge der Emmius-Karte und ihrer Nachstiche. Der Karten-inhalt ist zu diesem Zeitpunkt veraltet und mit Fehlern behaftet. Hier beeindruckt besonders die künstlerische Gestaltung der Kartusche mit dem Cirksena-Wappen.

Visser 1624

Allard 1697

"PRINCIPAUTÉ D`OOST - FRISE", 1758

Eine der vielen Karten, die seit Ende des 17. Jahrhunderts von der damals vorherrschenden französischen Kartographie hergestellt wurden. In einer zweibändigen „La topographia de l´univers" erschien dieses Kärtchen in Paris, es zeigt das seit 1744 zu Preußen gehörige Gebiet von Ostfriesland. 

"CHARTE von dem Fürstenthum OSTFRIESLAND nach den trigonometrischen und astronomischen Messungen ... neu bearbeitet von F.L. Güssefeld ... ", 1790

Diese Karte ist eine der ersten, die sich auf die neuen trigonometrischen Vermessungen beruft. Allerdings hatten diese Vermessungen erst im Herzogtum Oldenburg stattgefunden und Ostfriesland nur am Rande berührt, so daß auch diese Karte in vielen Punkten veraltet ist. Sie stellt den Schluß der Emmius-Nachfolger dar. Für den interessierten Heimatforscher sind die statistischen Daten von viel grösserem Interesse

1758

Güssefeld 1790

"FRISIA ORIENTALIS" (im Kartenbild) oder "DESCRIPTIO COMITATUS EMBDANI" (oberhalb der Karte)", 1606

Dieses kleine Kärtchen aus "P.Bertii Tabularum Geographicum" ist eine der wenigen Ostfrieslandkarten aus einem Zak-Atlas (Taschenatlas). Meistens wurden in diesen Atlanten die schon bekannten Karten verkleinert wiedergegeben. In diesem Falle war die verkleinerte Wiedergabe den Kartenliebhabern der letzten Jahrzehnte bekannter als das Vorbild, nämlich die Karte des David Fabricius vom Jahre 1589. Ein schönes dekoratives Blatt.

"LA FRISE Orientale.", 1633

Dieses kleine Kärtchen mit einer vollständigen Abbildung der ostfriesischen Halbinsel (nur Borkum fehlt!) kommt in einem kleinen Atlas vor, der 1633 in Paris von Nicolas Tassin herausgegeben wurde. Die alten friesischen „Länder" sind grenzkoloriert gegeneinander herausgehoben. Als Vorbild für dieses Kärtchen wird wohl die Emmius-Karte in der Ausgabe von Claes Jansz Visscher von 1624 gedient haben. Als Gesamteindruck kann festge- halten werden: klein, ungenau und fehlerhaft, aber durchaus dekorativ und, für jene Zeit ungewöhnlich, in Frankreich herausgegeben

Bertius 1606

1633

Seekarten der ostfriesischen Küste

"Beschrijvinghe van de zee Custen van Oost Vrießlandt, met allen undiepten en bakenen", 1584

Erste Seekarte Ostfrieslands. Die Karte ist gesüdet, weil sie für die vom Meer kommenden Seeleute bestimmt war. Sie stammt aus dem berühmten Seekarten-Atlas „Spieghel der Zeevardt" von Lucas Jansz. Waghenaer, der 1585 in Leiden erschien. Für die Seeleute waren die Seitenansichten der Inseln sehr wichtig, ebenso wie die Tiefenangaben in den Fahrrinnen. Interessant ist, daß Ostfriesland als Ganzes "EEMDER LANDT" genannt wird, Vorbild für viele andere Ostfrieslandkarten.

"NIEUWE CAERTE waerinne vertoont wordt de gantsche Vaert van Amsterdam over de WATTEN tot de stadt Hamborch toe", 1634

Diese Karte, auch Wattenmeerkarte genannt, erschien zuerst 1634 im Atlas bei J. Janssonius. Sie ist nicht, wie man es aus dem Titel vermuten könnte, eine Seekarte, dazu fehlen die wichtigen Angaben wie Fahrwassertiefe u.a., sondern eine Atlaskarte, die eine in der damaligen Zeit wichtige Schiffsroute der südlichen Nordsee zeigt. Die Atlanten waren ja auch weniger zum direkten geographischen Gebrauch bestimmt, sondern gehörten als Schau- und Prunkstücke zum Inventar eines erfolgreichen Kaufmannes.

Waghenaer 1584

Janssonius 1634

Copyright © 1995-97 Michael Recke
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