Der japanische Teeraum

Der Aufbau und die Dekoration des Teeraumes unterscheiden sich komplett vom Einrichtungsgeschmack der westlichen Welt. Die Inneneinrichtung erscheint Europäern eher ärmlich. Der Teeraum (jap. Sukiya) ist eigentlich ein kleines Häuschen. Das Teehaus besteht aus dem eigentlichen Teeraum, der für maximal fünf Personen vorgesehen ist, einem Vorraum (midsuya), wo die Tee-Utensilien gewaschen und vorbereitet werden und einer Säulenhalle (machiai), in der die Gäste warten, bis sie in den Teeraum gerufen werden.

Zum Teehaus gehört auch der Gartenweg (roji), der die Säulenhalle und den Teeraum verbindet. Der Weg besteht aus unregelmäßigen Steinen auf trockenen Kiefernnadeln. Selbst wenn ein solches Teehaus mitten in der Stadt liegt, strahlt es Ruhe und Traditionsbewußtsein aus. Der Alltag soll hinter sich gelassen werden.

Obwohl der Teeraum eine Atmosphäre von vornehmer Armut ausstrahlt, ist er kostspieliger als ein normales japanisches Wohnhaus. Die Auswahl der edlen Materialien, die handwerklichen Arbeiten und die aufwendige Pflege und Genauigkeit machen die Kostbarkeit aus.

Teekanne - Ostfriesland Tee Will man den Teeraum betreten, muß man sich tief bücken, um durch die etwa 90 cm hohe Tür zu kommen. Dies soll die Gäste an ihre Demut erinnern. Die Reihenfolge, in welcher die Gäste eintreten, wurde zuvor in der Säulenhalle festgelegt. Die Gäste betreten lautlos den Teeraum und nehmen ihre Plätze ein. Wenn jeder Gast seinen Platz eingenommen hat, betritt der Gastgeber den Raum.

Alles im Raum ist einfach und nüchtern, auch die Gäste haben sorgfältig unauffällige Kleidung gewählt. Wie verblaßt der Teeraum oder das Teegeschirr auch sein mögen, alles ist absolut sauber. Ein Staubkorn läßt sich selbst in der hintersten Ecke nicht finden, wenn doch, ist der Gastgeber kein Teemeister.

Die Angst vor Wiederholungen bestimmt nicht nur die Teezeremonie, sondern auch die Einrichtung des Teeraumes. In der spärlichen Dekoration sollte sich keine Form und keine Farbe wiederholen. Wenn echte Blumen im Raum sind, ist kein Bild mit Blumen erlaubt. Wenn ein runder Teekessel benutzt wird, sollte der Teekrug eckig sein. Wenn die Teetassen schwarz sind, sollte die Teedose nicht schwarz lackiert sein.

Die Japaner empfinden die westliche Einrichtung und Dekoration von Häusern und Räumen oft als überladen. Es ist Japanern zum Beispiel sehr unangenehm mit jemandem zu reden, dessen Portrait im gleichen Raum hängt. Auch die (vorwiegend englische) Angewohnheit, Bilder verschiedener Generationen im Eßzimmer aufzuhängen, ist für Japaner unverständlich. Warum soll man an Familienangehörige erinnert werden, die an dem Tisch gespeist haben und nun tot sind?

Die Einfachheit des Teeraumes soll außerdem die Aufmerksamkeit der Gäste nicht ablenken. Das wichtigste ist die Teezeremonie selbst, nicht die Ausstattung des Raumes.

Quelle: Kakuzo Okakura: "The Book of Tea"

Bildquelle: Ostfriesland-Abisz - Copyright


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